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  • : Tanneneck
  • : Eine Art Tagebuch mit Ausflügen zu Politik und Gesellschaft. Dazu gibt es ausprobierte Koch- und Backrezepte. Rezepte für Konfitüren, Gelee und Likör sind auch vorhanden. Und natürlich darf die Natur nicht fehlen. Aus dem Landhaus Tanneneck gibt es so manches zu berichten.
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  • Katharina vom Tannneneck
  • Die Liebe hat mich hierher gebracht in diese schöne und reizvolle Landschaft. Es war reiner Zufall denn wir hatten in ganz Deutschland nach einem passenden und bezahlbaren Haus gesucht. Wir waren überall aber jetzt sind wir zu Hause angekommen.
  • Die Liebe hat mich hierher gebracht in diese schöne und reizvolle Landschaft. Es war reiner Zufall denn wir hatten in ganz Deutschland nach einem passenden und bezahlbaren Haus gesucht. Wir waren überall aber jetzt sind wir zu Hause angekommen.

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9. Januar 2021 6 09 /01 /Januar /2021 00:00
Ein Märchen zum Wochenende ....

Der gute schlaue Philipp
 
Zu den Zeiten, als der Herr noch mit seinen Jüngern in schlichtem Gewand und unerkannt auf Erden wandelte, kam er auch einmal mit den Zwölfen in ein kleines Bauerndorf im Allgäu und bat dort bei den reichen Bauern um Nachtherberge. Von allen aber wurden die Bittenden mit allerhand Ausreden und groben Worten abgewiesen. Der Bauer im letzten Hause rief ihnen noch durchs Fenster nach: draußen vor dem Ort in der kleinsten Hütte wohne ein alter Wittiber, der Philipp; der pflege solcherlei Leute, wie sie seien, übernachten zu lassen; den sollten sie einmal fragen. Der alte Philipp kochte gerade für sich das Nachtessen, als die dreizehn vor seiner Hütte ankamen und um ein Nachtquartier fragten. Der Alte lächelte und sagte: "No ja! Das wäre alles schon recht, wenn, ich nur so viel Platz hätte, um euch alle beherbergen zu können. Für sechs Mann könnte es am Ende reichen." Sie wollten aber alle gerne hierbleiben. "No ja! So schauet in Gottes Namen, wie ihr's mit dem Liegen macht", meinte Philipp; "ich will mal im Ort drin Stroh betteln, damit ihr's euch auf meinem Stubenboden bequem machen könnt. Will mich auch nach Pferdedecken umschaun, damit ihr was zum Zudecken habt."

Am andern Morgen stand der gute Philipp früh auf und kochte für seine dreizehn Gäste, soweit sein kleiner Vorrat reichte. Als sie gegessen hatten, wollten sie sich für die freundliche Bewirtung auch erkenntlich zeigen, und also sagte Petrus als ihr Wortführer: "Höre, Philipp! Du darfst drei Wünsche tun; die werden dir in Erfüllung gehen." - No ja, dachte Philipp bei sich, was soll ich mir jetzt geschwind wünschen? Er hüstelte ein paarmal verlegen und sagte dann: "No ja! So wünsche ich fürs erste, daß ich noch fünfhundert Jahre lang so bleibe, wie ich jetzt gerade bin; fürs zweite, daß mein Birnbaum vor dem Haus allzeit Birnen trägt und daß jeder, der auf ihn steigt, nicht wieder herunter kann, ehe ich's ihn heiße, und zum dritten, daß der, der ohne meinen Willen in meinen Altvatersessel dort am Ofen sitzt, sich nicht mehr daraus erheben kann." - "Soll geschehen!" sagte der Herr und wanderte mit seinen Zwölfen weiter.

Als die fünfhundert Jahre um waren, kam der Tod zu Philipp. Es war Herbst und Philipp wollte eben die Birnen schütteln. Der Tod sagte: "Höre, Philipp! Die fünfhundert Jahre sind jetzt um und nun heißt's für dich: mit mir gehen!" - "No ja! Ei, ei! Schon?" erwiderte Philipp aufgeräumt. "Ich sollte doch noch vorher meine Birnen schütteln." -"Gut!" sagte der Tod. "Aber du machst mir zu langsam, alter Freund! Ich will für dich auf den Baum steigen und die Birnen schütteln, damit wir schneller fertig werden." Der Philipp ließ es zu. Stieg also der Tod auf den Birnbaum und schüttelte nach Kräften; und Philipp las die Birnen auf und trug sie ins Haus. Hernach wollte der Knochenmann wieder vom Baum heruntersteigen; er brachte es aber nicht fertig, so sehr er sich auch abmühte. Da bat er den Philipp um Hilfe. Philipp aber sagte seelenruhig: "No ja ... Ich hab' dich nicht hinaufklimmen heißen. Also bleib, wo du bist!" Der Tod bettelte und flehte, er möge ihn doch wieder herabsteigen lassen. Endlich sagte Philipp: "No ja! Gut, ich will's tun, wenn du dich nicht eher bei mir blicken läßt, als bis wieder fünfhundert Jahre vergangen sind!" Was konnte der Tod auf dem Birnbaum anders tun, als ja sagen? Er mußte dem Philipp sein Wort geben und weiter ziehen. Der alte Philipp aber lebte weiterhin glücklich und zufrieden in seiner kleinen Hütte und begnügte sich mit den Birnen, die ihm der Baum in seinem Garten trug.

Auch die zweiten fünfhundert Jahre gingen herum. Da stellte sich eines Morgens der Tod wieder ein und sprach: "So, Philipp, diesmal erwischst du mich nicht! Mach dich bereit!" -"Noja, wird nicht so pressieren, Meister Tod", meinte er. "Laß mich noch den Bart schaben, dann wollen wir gehen." Der Tod sagte: "Meinetwegen", und setzte sich aus Langerweile in den Ohrenstuhl am Ofen. Weil ihm aber der Philipp gar zu lang brauchte, wollte er ihn ohne viel Federlesen am Arm packen und mitnehmen. Doch, o weh! - Er vermochte sich nicht aus dem Sessel zu erheben, und wenn er sich auch noch so sehr anstrengte. Er flehte den Philipp an, er solle ihn doch aus dem Sessel befreien. Der aber sagte: "No ja! Das will ich tun, wenn du dich abermals nicht eher bei mir blicken läßt, als bis fünfhundert Jahre vergangen sind." Und der Tod mußte noch einmal fünfhundert Jahre dreingeben!

Als aber die um waren, half dem schlauen Philipp keine List mehr, und er ging willig mit dem Tod in die Ewigkeit. "No ja, führe mich zuerst in die Hölle", sagte er; "Will doch auch sehen, wie's da zugeht." Als sie vor dem Höllentor ankamen, schrien die Teufel: "Heio! Tod! Was bringst du uns denn da für einen Kerl?" - "Ei", entgegnete der unwirsch, "fragt ihn doch selber; er ist alt genug zum Schwätzen!" Da fragten die Teufel den Philipp, wer er sei. "No ja, wer ich bin?" sagte der Philipp. "Ein Spieler und Säufer." Da stimmten die Teufel ein gewaltiges Gelächter an, und ihr Oberster fragte ihn: "Hör', Alter, hast du keine Würfel bei dir? " - "O ja!" sagte Philipp, "was gilt's?" - "Eine arme Seele", lachte der Teufelober, rüttelte den Knöchelbecher und warf. Philipp warf nach und hatte ein Auge mehr. "No ja! Das wär' mal eine Seele!" schmunzelte Philipp, ging in die Höllenküche hinein und suchte sich eine Seele aus. Wie staunte er aber, als er mitten drin im größten Haufen sein Weib erblickte! "Du Geizteufel du!" rief er ärgerlich. "Hab' ich's nicht immer gesagt, du werdest einmal da hereinkommen? Aber da du nun schon einmal mein Weib bist, will ich mich deiner annehmen." Faßte sie bei der Hand und nahm sie mit sich. Als Philipp wieder zu den Teufeln hinauskam, fing ihr Oberster aufs neue mit ihm zu würfeln an und verlor nacheinander zwölf Seelen. Da wurde er fuchsteufelswild und schrie: ..So, du Kerle! Meinst du, du dürfest mir die ganze Hölle ausräubern?!", sprang in die Hölle und schlug das Tor zu.

Nun ging der Tod mit Philipp und seinen zwölf gewonnenen Seelen weiter, dem Himmel zu. Dort klopfte Meister Philipp an. Petrus öffnete ein wenig die Tür, schaute heraus und fragte nach seinem Begehr. "No ja! Ich wollte nur gern mit meinen Reisegesellen in den Himmel", antwortete Philipp. Petrus schaute den stattlichen Zug, der da hinter dem Philipp vor der Himmelstür draußen stand, gar verwundert an und sprach: "Sapperlott! Das sind halt viel auf einmal!" -"No ja", sagte Philipp, "weißt du nicht mehr, daß ihr auch so viel gewesen seid, als ihr damals zu mir kamt? Hab' euch seinerzeit auch in mein Haus gelassen und hat viel weniger Platz gehabt als der Himmel da oben." -"Potz Kuckuck!" rief da Petrus voller Freude, "so, Ihr seid's, alter Philipp? Nur alle hereinspaziert!" Und so sind der Philipp und seine Zwölfe allesamt in den Himmel gekommen.

Quelle: Schwäbische Volksmärchen - Franz Georg Brustgi

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24. Dezember 2019 2 24 /12 /Dezember /2019 00:02
Frohe Weihnachten ....

einen schönen, besinnlichen und friedvollen Heiligabend und ein frohes, gesegnetes Weihnachtsfest wünsche ich allen Menschen da draußen in der Welt.

Der kleine Klaus fährt mit seinem Fahrrad zum Spielplatz, als ihm plötzlich ein Auto von der Seite ins Fahrrad fährt. Wenig später hört man die Sirenen eines Krankenautos. Dieses bringt Klaus in ein Krankenhaus. Einige Stunden später kommen die Eltern des Jungen mit verweinten Gesichtern aus der Klinik. Klaus ist an den Folgen des Autounfalls gestorben. Das ist eine traurige Geschichte. Die Eltern sind sehr verzweifelt.

Ein halbes Jahr ist nun vergangen und die Tage sind kurz geworden. Am Vorabend des Nikolaustages stellt Klaus` Mutti die Stiefel ihres verstorbenen Sohnes symbolisch vor die Tür.

Am Nikolaustag steckt in den Schuhen ein kleines Fernglas und es liegt ein mit Kinderschrift beschriebener Zettel dabei. Der Zettel ist beschrieben mit einen Gedicht:

Der neue Stern

Es steht ein neuer Stern am Himmelszelt.
Er strahlt ganz hell auf diese Welt.
Der Stern ist noch klein,
doch sein Licht leuchtet rein.

Als will er euch die Worte sagen:
Bitteschön, stellt keine Fragen!
Freut euch, dass es mich am Himmel gibt.
Freut euch auf das helle Licht.

Ich bin jetzt eins der Sternenkinder
und leuchte für euch immer, immer.
Am Heilig Abend dann
schaut euch den Himmel an.

Freut euch über meinen Stern,
ich bin bei euch und niemals fern!
Nehmt das kleine Fernglas und schaut damit am Heiligen Abend in den Himmel.

Der Heilige Abend ist da und Klaus` Mutti sucht mit dem Teleskop den Sternenhimmel ab. Plötzlich sieht sie einen kleinen hellen Stern und auf dem Himmelslicht sitzend ihren Sohn winken. Was für eine Freude. Die ganze Nacht schauen die Eltern zu ihren Jungen in den Himmel. Als der erste Weihnachtstag anbricht, erlischt das helle Himmelslicht.

Doch jedes Jahr zu Heiligabend können Klaus´ Eltern ihren Sohn winkend als Sternenkind sehen.

Verfasser unbekannt

Frohe Weihnachten ....
Frohe Weihnachten ....

3:46 Minuten

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15. Dezember 2019 7 15 /12 /Dezember /2019 00:00
Einen schönen 3. Advent ....

wünsche ich meinen Lesern, Freunden, Verwandten und Bekannten. Genießt den Adventssonntag im Kreis Eurer Lieben.

❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊

Im Winter

Die Tage sind so dunkel,
Die Nächte lang und kalt;
Doch übet Sternenfunkel
Noch über uns Gewalt.

Und sehen wir es scheinen
Aus weiter, weiter Fern',
So denken wir, die Seinen,
Der Zukunft unsres Herrn.

Er war einmal erschienen
In ferner sel'ger Zeit,
Da waren, ihm zu dienen,
Die Weisen gleich bereit.

Der Lenz ist fortgezogen,
Der Sommer ist entflohn:
Doch fließen warme Wogen,
Doch klingt ein Liebeston.

Es rinnt aus Jesu Herzen,
Es spricht aus Jesu Mund,
Ein Quell der Lust und Schmerzen,
Wie damals, noch zur Stund'.

Wir wollen nach dir blicken,
O Licht, das ewig brennt,
Wir wollen uns beschicken
Zum seligen Advent!

Max von Schenkendorf

❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊

St. Nikolaus und der Jüngling
 
Es wird erzählt, daß in Bordeaux eine Frau wohnte, welche nur einen einzigen Sohn hatte. Sie wünschte, daß er zu Reichtümern gelange und gab ihn daher in das Haus eines ihrer Verwandten, damit dieser ihn in der Ausführung von Handelsgeschäften unterrichte. Fünfzig Pfund wurden hinterlegt, und der junge Mann wurde zu Geschäftszwecken an einen auswärtigen Platz geschickt. Hier hörte er in der Predigt, daß nichts auf der Welt dem Menschen mehr Ehre und Gut verleihe, als die Freigebigkeit in Almosen. Nun traf er auf dem Rückwege auf eine Kirche des heiligen Nikolaus, welche baufällig war, und für deren Instandsetzung Almosen gesammelt wurden. Da gab der junge Mann seine fünfzig Pfund aus Liebe zu Gott hin. Als er aber zu seinem Herrn zurückgekehrt war und ihm seine Tat berichtete, wurde er ob seines Leichtsinns aus dessen Hause vertrieben und nur auf die Tränen der Mutter hin wieder aufgenommen, doch unter der Bedingung, daß er den Schaden ersetze. Es wurden nunmehr hundert Pfund eingesetzt.

Nach längerer Zeit wurde der junge Mann neuerdings mit einer großen Geldsumme übers Meer gesandt. Es geschah aber, daß Seeräuber die Tochter des Sultans geraubt hatten und zum Verkaufe feilboten. Dem jungen Mann gefielen ihre Schönheit, ihre guten Sitten und ihre Unterhaltungsgabe, und er kaufte sie zum Preise von hundert Pfund, und nach Beendigung seiner Seereise brachte er sie mit nach Bordeaux. Als seine Verwandten die Jungfrau sahen, glaubten sie, er habe sie nur gekauft, um mit ihr ein liederliches Leben zu führen, und sie warfen beide aus dem Hause.

Die Heidin aber wurde zum Glauben an Christus bekehrt und getauft, und sie war so voll Verehrung zum heiligen Kreuze und zur seligen Jungfrau, daß sie auch den Jüngling, der sie gekauft hatte, zu einem heiligmäßigen Leben veranlaßte. Schließlich wurde ihre Verlobung gefeiert, aber die Kraft des heiligen Kreuzes hinderte, daß ein unreiner Trieb in ihnen aufkam. Da sie sehr arm waren, bat die Jungfrau ihren Verlobten, mannigfache Arten von Seidenstoffen und Goldborten einzukaufen, aus denen sie Handarbeiten von wunderbarer Schönheit verfertigte, insbesondere eine goldene Fahne, deren Pracht jeder, der sie sah, anstaunte. Darauf wurde der junge Mann von ihr nach Alexandrien geschickt mit dem Auftrage, er solle an einem bestimmten Feste der Sarazenen die Handarbeiten samt der Fahne auf einem öffentlichen Platze zum Verkaufe ausstellen, und er solle für die Fahne nicht weniger als zweitausend Flor fordern. Ihr Vater, der Sultan, würde auf der Fahne Zeichen erkennen, die kein Lebendiger auf der Erde zu machen wüßte, als sie allein, und er würde aus Liebe zu seiner Tochter jeden Preis dafür zahlen. Namentlich aber wies sie ihren Bräutigam darauf hin, daß er zum Empfange des Geldes nicht in das Schloß ihres Vaters gehen dürfe, vielmehr solle er den Betrag auf dem Platze erwarten, ehe er die Fahne hergebe. 

Der junge Mann tat, wie sie ihn geheißen hatte und bot am festgesetzten Feiertage die Handarbeiten feil. Der Sultan wünschte die Fahne zu kaufen, und was auch der Kaufmann dafür verlangte, es wurde ihm ohne Widerrede gewährt. Das Schloß des Sultans aber betrat der junge Mann nicht, obwohl er dringend darum gebeten wurde. Darauf kehrte er mit großen Reichtümern beladen zu seiner Braut zurück. Sie kauften Besitztümer und Ländereien, doch noch wollten sie sich nicht zur Ehe vereinigen, vielmehr gedachten sie zuvor noch größere Mittel zu erwerben. Wiederum kaufte er wunderschöne und äußerst kostbare Seidenstoffe, sie verfertigte daraus Handarbeiten, die noch schöner und besser waren als das erste mal und darunter wieder eine Fahne, wie sie so schön zuvor noch kein Menschenauge gesehen hatte. 

Der junge Mann wurde mit den gleichen Aufträgen wie zuvor nach Alexandrien geschickt, an einem hohen Feiertage breitete er die Fahne und die Stickereien aus und verlangte tausend Pfund dafür. Der Sultan kam herunter und überredete aus Liebe zu seiner Tochter den Jüngling mit freundlichen Worten, er möge ins Schloß kommen, um seinen Lohn zu empfangen. 

Kaum hatte dieser das Schloß betreten, als er gefangen gesetzt und durch Foltern genötigt wurde, zu gestehen, daß er die Sultanstochter in seinem Hause beherberge. Während er noch gefangen lag, wurden Schiffe ausgesandt, man suchte die Jungfrau auf, ergriff sie und brachte sie trotz ihres Widerstrebens zu ihrem Vater zurück. Der junge Mann mußte sich mit seinem ganzen Gelde loskaufen, dann wurde er freigelassen und durfte nach Bordeaux zurückkehren. 

Als er seine Braut daheim nicht mehr vorfand, kehrte er sogleich nach Alexandrien zurück mit einer wunderschönen Stickerei, die ihm die Jungfrau selbst geschenkt hatte. Lange verweilte er dort, ohne jene zu Gesicht zu bekommen. Endlich gelang es ihm durch die Schlauheit seines Gastfreundes, den er in sein Geheimnis eingeweiht hatte, sie in ihrem Garten zu erblicken, und er wurde von ihr erkannt. Zwar wurde er bald wieder hinausgejagt, doch wartete er in der Stadt eine weitere Gelegenheit ab. Schließlich erhielt der Jüngling durch Bestechung der Wächter unter dem Vorwand, er wolle jene von ihr selbst gefertigte Handarbeit verkaufen, Eintritt ins Schloß; er konnte mit seiner Braut reden, und beide kamen überein, daß sie an einem bestimmten Feiertage ein Schiff bereithalten wollten, denn an keinem andern Tage würde sie Gelegenheit zur Flucht haben. Froh ging der junge Mann von dannen. 

Das Fest kam heran, aber nirgends war ein Schiff aufzutreiben. Schließlich ging er unter dem Jubel des Festes traurig zum Hafen, und, da nirgends ein Schiff zu sehen war, betete er unter Tränen: »O heiliger Nikolaus, wenigstens könntet Ihr mir das zurückerstatten, was ich aus Liebe zu Gott zur Ausbesserung Eurer Kirche gestiftet habe.« Und siehe, während er so weinend flehte, erblickte er plötzlich am Ausgange des Hafens ein fahrtbereites Schiff; er erfuhr, daß es nach Bordeaux segelte, machte den Fahrpreis aus und begab sich an den von der Jungfrau bezeichneten Ort. Das Mädchen kam beladen mit Edelsteinen und wunderbaren Schätzen, und beide wurden zur heimlichen Flucht in das Schiff aufgenommen. Als sie bei Bordeaux gelandet waren und alle Schätze an Land gebracht hatten, verschwand das Schiff ebenso plötzlich wie es gekommen war, und nach Vollziehung der Ehe lobten sie Gott und die heilige Jungfrau.

Französische Volksmärchen

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13. Dezember 2019 5 13 /12 /Dezember /2019 00:07
Eine Weihnachtsgeschichte ....

Nikolaus, der Wundertäter 

Es waren einmal zwei Brüder, der eine war reich und der andere arm. Der Arme hatte eine große Familie, und zu essen gab es nichts mehr. Da ging er zum Bruder und bat ihn um Mehl; doch der schlug es ihm ab. Der Arme nahm ein Bild von Nikolaus dem Wundertäter und brachte es dem Reichen als Pfand. Der Bruder traute ihm nicht und fragte: »Wer wird für dich bürgen?« Da antwortete das Heiligenbild: »Ich bürge für ihn.« Der Reiche verwunderte sich darob, aber nahm das Bild an und gab dafür einen Sack Mehl.

Ein Jahr verging, ein zweites und ein drittes, aber der Arme zahlte dem Bruder die Schuld nicht zurück. »Welch ein Betrüger ist doch der Heilige!« dachte der Bruder, »und dabei hat er noch gesagt, er verbürge sich.« Er nahm das Heiligenbild, brach sich Ruten ab und trug das Bild hinaus auf das Feld, um es dort zu prügeln. Unterwegs begegnete ihm ein Kaufmannssohn und fragte, wohin er das Bild trage. Der Reiche erklärte es ihm. Da bat jener, er möge ihm den wundertätigen Nikolaus verkaufen, gab zwei Sack Mehl für ihn und trug ihn heim. Seine Mutter lobte ihn für die gute Tat, und sie hängten das Bild auf.

Zu dieser Zeit mußte der Kaufmann mit seinen Schiffen in ein anderes Zarenreich fahren; drei seiner Onkel hatten sich schon mit ihren Waren auf die Reise gemacht und nicht auf ihn gewartet. Da wollte er einen Aufseher in seinen Dienst nehmen und fand auch einen. Die Mutter schenkte dem Aufseher ein Ei und sagte, er solle es zusammen mit ihrem Sohn verspeisen. Jener schnitt das Ei in die Hälfte, aber die größere nahm er für sich, die kleinere gab er dem Hausherrn. Da befahl die Mutter, diesen Mann laufen zu lassen, und sagte: »Er sorgt mehr für sich als für seinen Herrn.« Der Kaufmann suchte nun so lange einen Aufseher, bis er einen solchen fand, der die größere Hälfte vom Ei seinem Herrn gab und die kleinere für sich selber nahm.

Sie machten sich dann auf und fuhren ab. Auf dem Meere kamen sie an einer Insel vorbei, und auf der Insel erblickten sie einen alten Mann, der bat sie, ihn auf ihr Schiff hinüberzuholen, und das taten sie auch. Dann fuhren sie in das fremde Zarenreich und handelten so glücklich, daß sie das Geld nicht mehr zu zählen vermochten. Der Zar in dem Lande hatte eine Tochter, die war einmal in ihrer Kindheit von ihm verflucht worden; sie starb darauf und lag schon lange in der Kirche im Sarge. Jede Nacht gingen die Leute einer nach dem andern zu ihr, den Psalter zu lesen, und alle fraß sie auf. So kam auch die Reihe an einen der Onkel des Kaufmannssohnes. Was sollte er tun? Sterben wollte er nicht, aber fortbleiben durfte er nicht. Da bat er den Neffen, für ihn zu wachen. Der ging aber vorher zum Alten und holte sich von ihm Rat, und der Alte sagte ihm, er solle dafür von dem Onkel zwei Schiffe mit Waren verlangen, gab ihm auch ein Buch und ein Stück Kohle und befahl ihm, sich in der Kirche nicht umzuschauen. 

Der Neffe tat, wie er ihm geraten hatte, las in der Nacht den Psalter am Lesepult in der Kirche und zeichnete um sich herum mit der Kohle einen Kreis. Um Mitternacht aber, da stieg die Zarentochter aus dem Grabe und fing an, mit den Zähnen zu knirschen. »Ha! Jetzt bist du mir verfallen!« Doch sie konnte auf keine Art in den aufgezeichneten Kreis hineingelangen. Sie wand sich und mühte sich, bis ihre Zeit herum war und sie dort am Kreise niederfiel. Der Neffe aber las immerzu; am Morgen hob er die Zarentochter auf, legte sie zurück in den Sarg und ging selber nach Hause. Sie alle, das Volk und der Zar, staunten, daß er am Leben geblieben war. Der Onkel jedoch mußte ihm zwei Schiffe geben; die Waren gingen rasch ab, und Geld hatte er nun scheffelweis.

In der nächsten Nacht kam die Reihe an den zweiten Onkel, in der übernächsten an den dritten; der Neffe nahm von ihnen je zwei Schiffe und wachte unbeschadet. Endlich, in der vierten Nacht, mußte er für sich selber Wache halten. Da gab ihm der Alte drei eiserne, drei kupferne und drei stählerne Ruten und sprach zu ihm: »Zwing sie, ein Vaterunser zu beten, und sobald sie ins Stocken gerät, prügle sie mit den Ruten.« 

Der Kaufmannssohn ging zur Nacht in die Kirche, zeichnete den Kreis um sich herum und las. Die Zarentochter sprang um Mitternacht aus dem Grabe und fing an zu wüten, noch ärger als in den ersten drei Nächten. Sie hatte mit einemmal Ofenkrücken in den Händen und zerrte ihn damit fast aus dem Kreise heraus; rund herum aber tobten zahllose Teufel und machten fürchterlichen Lärm. Endlich blieb die Zarentochter ganz ermattet stehn, aber fiel nicht um. Da zwang sie der Kaufmannssohn, das Vaterunser zu beten. Und wie sie nun anfing und dann steckenblieb, schlug er mit den eisernen Ruten auf sie ein. Danach mußte sie aber weiterlesen, kam bis zur Hälfte und stockte abermals; da prügelte er sie aufs neue mit den kupfernen Ruten. Und wieder zwang er sie weiterzulesen, und sie war noch nicht zu Ende gelangt, als sie nochmals ins Stocken geriet: da schlug er sie mit den stählernen Ruten. Dann las sie jedoch richtig bis zum Schluß. Der Morgen war schon angebrochen, und hinter den Türen fragten die Leute einander: »Lebt er wohl noch?« Und als sie zwei Stimmen hörten, wunderten sie sich: »Was soll das bedeuten?« Sie öffneten die Tür und sahen den Kaufmannssohn und die Zarentochter beieinander. Gleich meldeten sie's dem Zaren. Der freute sich darüber sehr und gab dem Kaufmannssohn seine Tochter zur Frau.

Die Waren hatten sie inzwischen verkauft, und es war Zeit heimzukehren. Der Alte aber sagte dem Kaufmannssohn, daß er seiner Frau des Nachts nicht eher beiwohnen solle, bis er es ihm erlauben würde. Sie fuhren nun auf ihren Schiffen und kamen zu jener Insel. Da sprach der Alte: »Jetzt wollen wir unsern Verdienst teilen.« Sie legten ihre Millionen auf zwei Hälften, und dann sollte auch die Frau geteilt werden. Der Jüngling betrübte sich gar sehr, aber es war nichts zu machen, so hatten sie es vorher verabredet, und er willigte schließlich ein. Der Alte nahm einen Säbel und hieb die Zarentochter in zwei Hälften: da krochen aus ihrem Leibe allerhand Ungeziefer und Schlangen; das waren aber alles Teufel. Der Alte reinigte den Leib und besprengte ihn mit Wasser, da wuchs er zusammen, und die Zarentochter ward wieder lebendig. 

»Hier hast du deine wahre Frau«, sprach der Alte, »leb du mit ihr und nimm alles Geld, ich bedarf dessen nicht.« Nur drei Kopeken nahm er mit sich, und dann verschwand er plötzlich, keine Spur war mehr von ihm zu sehn. Dem Kaufmannssohn war es leid um den Alten, er hatte ihn liebgewonnen wie einen Vater, aber da ließ sich nichts tun, und er reiste heim. Zu Hause erzählte er der Mutter von ihm, berichtete, was ihm begegnet war, und bedauerte den Alten. 

Die Mutter aber sprach zu ihm: »Warum dachtest du nicht an den wundertätigen Nikolaus? Hättest du ihm doch vorher eine Kerze geweiht.« Da besann er sich darauf und ging zu dem Heiligenbild, dort brannte aber schon eine Kerze für drei Kopeken. Sie fragten herum, wer sie wohl gestiftet habe, denn der Heilige hätte eine für einen Rubel haben sollen, doch niemand bekannte sich dazu. Da erriet er, daß der Alte der heilige Nikolaus, der Wundertäter, gewesen war und für jene drei Kopeken sich selbst eine Kerze aufgestellt hatte. Sie ließen die Kerze brennen, und mit all dem Gut, das sie erworben hatten, lebten sie glücklich und zufrieden.

Russische Volksmärchen

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8. Dezember 2019 7 08 /12 /Dezember /2019 00:00
Einen schönen 2. Advent ....

wünsche ich meinen Lesern, Freunden, Verwandten und Bekannten. Genießt den Adventssonntag im Kreis Eurer Lieben.

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Adventswarten

Es ist das ganze Leben
Für den, der Jesus kennt,
ein stetes, stilles Warten
auf seligen Advent.

Er kommt, heißt unser Glaube,
er kommt, heißt unser Trost,
wir hoffen in der Stille
und wenn das Wetter tost.

Wir schauen auf im Kampfe,
wir seufzen oft im Dienst:
Ach, daß du kämst, Herr Jesu,
ach, daß du bald erschienst!

Hedwig von Redern

❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊❊

Das Hirtenbüblein

Ein Hirtenbüblein war wegen seiner klugen Einfälle und witzigen Antworten weit und breit bekannt. Von ihm hörte auch eines Tages der Bischof; der ließ ihn sogleich zu sich kommen, um zu erfahren, ob die Leute wahr geredet. Der Knabe erschien vor dem geistlichen Herrn, das Käpplein in der Hand, züchtig in Gebärden und freundlich von Antlitz. Da sagte der Bischof: er habe von ihm gehört, daß er ein kluger Knabe sei, und er wolle ihm nun zur Probe drei Fragen vorlegen, und wenn er sie gut beantworte, so solle er für jede Antwort einen Goldgulden erhalten. Das war dem Büblein recht. 

Der Bischof sprach: "Zum ersten sag' mir, wie viel Sterne sind am Himmel?" Das Büblein verlangte Tinte, Feder und Papier; denn es hatte fein schreiben, lesen und rechnen gelernt, und Religion obendrein. Dann machte er auf das Papier so viel Tüpflein, als er vermochte, und zeigte drauf das Papier dem Bischof, und sagte: So viele Sterne sind's, und nicht mehr. Der Bischof sagte: Wer wird diese Tüpflein alle zählen? Das Büblein antwortete: Der Sterne sind eben auch unzählige. Mit dieser Antwort war der Bischof zufrieden, und er gab ihm einen Goldgulden. 

Drauf fuhr er fort: "Zum zweiten sag' mir, wie viel Tropfen sind im Meer?" Das Büblein nahm wiederum einen Bogen Papier, und schrieb Zahl an Zahl, so weit das Papier reichte. Das gab er dem Bischof hin, und nahm einen andern Bogen, und schrieb wiederum fort. Der Bischof sagte: Wenn du so fort schreibst, so kommen wir an kein Ende. Das Büblein antwortete: Und wenn die Quellen und die Flüsse es so forttreiben, so kommen wir mit dem Zählen der Tropfen auch an kein Ende. Wollt Ihr aber machen, daß alle Quellen versiegen und alle Flüsse vertrocknen, so will ich's sagen, wie viel Tropfen das Meer hat, anders nicht. Mit dieser Antwort war der Bischof wiederum zufrieden, und er gab ihm einen zweiten Goldgulden. 

Drauf legte er ihm die dritte Frage vor: "Wie viel Blätter gibt's auf allen Bäumen, die in der Welt sind? Aber das mußt du mir im Kopf ausrechnen, anders gilt's nicht." Das Büblein war nicht verlegen, sondern sagte: Wenn ihr alle Blätter, die im Herbst abfallen, wollt abziehen von denen, die im Frühjahr darauf wachsen, so wißt ihr's ganz genau. Der Bischof sagte: Da bleiben ja keine übrig. Ja, sagte das Büblein, es sind auch keine Blätter auf den Bäumen im Winter. Der Bischof mußte lachen, und gab ihm den dritten Goldgulden. 

Das Hirtenbüblein bedankte sich. Dann sagte er: Herr Bischof, erlaubt mir nun noch, daß ich an Euch auch eine Frage stellen darf. Der Bischof erlaubte es ihm, und war begierig zu hören. Das Büblein sagte: Worin gleichen wir beide einander, und worin unterscheiden wir uns? Das erratet der Bischof nicht. Da sagte das Büblein: Im Katechismus steht, daß Ihr ein Hirt seid, und Schafe zu hüten habt; darin sind wir einander gleich. Wir sind aber darin von einander unterschieden, daß Ihr ein Oberhirt seid, und Reichtum und Ehre besitzt, und ich bin ein ganz armer Hirtenbube, und habe von beiden nichts. Darum, so bitte ich Euch, nehmet mich in Eure Dienste, und gebt mir Nahrung und Kleidung, und tragt Obsorge für mich. Das tat denn auch der Bischof; und aus dem armen Hirtenbüblein wurde später ein angesehener und hochstudierter Mann.

Autor: Ludwig Aurbacher

Einen schönen 2. Advent ....

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4. Dezember 2019 3 04 /12 /Dezember /2019 00:00
Eine Weihnachtsgeschichte ....

Die kleine Krüppeltanne 

In der Tannenschonung ging es zu wie in jedem Jahr. Jeder Baum wollte der schönste sein und so rekelten und streckten sie sich nach der Sonne. Wenn es regnete, spreizten sie ihre Zweige und Nadeln, um immer den meisten Regen abzubekommen. Jeder wollte den gleichmäßigsten, rundesten Wuchs haben. Das hatte einen Grund: Von Forstarbeitern, die immer mal wieder im Wald nach dem Rechten sahen, hatten sie einige Sätze von einem Weihnachtsfest im Dezember aufgeschnappt, zu dessen einzigem Zweck sie gepflanzt wurden, von geschmückten Weihnachtsbäumen, und leuchtenden Kinderaugen. Doch Genaueres wusste nicht einmal die einzige, riesige, uralte und krummgewachsene Kiefer dieser Schonung. Leider war noch nie ein geschlagener Baum zurückgekommen, um zu berichten, was er alles erlebt hatte. 

Ende November kam ein Förster und markierte viele Bäume. Alle, die nun ein weißes Kreuzchen besaßen, träumten vor sich hin. Jeder hatte so seine eigenen Vorstellungen vom Weihnachtsfest, indem er eine Hautrolle spielen sollte.

Hin und wieder wurde in der Schonung mächtig gestritten Eine Douglastanne beschimpfte eine Kiefer, sie soll sich nicht so breit machen und ihr die ganze Sonne nehmen. Die Edeltannen waren schlecht auf die Kiefern zu sprechen und so schimpfte jede auf jede. Nur gegen die Laubbäume im angrenzenden Wald, die stets alles besser wissen wollten, waren sich die Nadelbäume einig: Die Laubler wären einfach nur töricht. Bei all der Streiterei schlügen sie wütend mit den Zweigen um sich und verlören so alle Blätter, bis sie kahl und nackt dastünden.

"Kahle Bäume, kahle Bäume, kahle Bäume ha, ha, ha!", tönte es dann wie im Chor von den Nadlern.

Eine Linde keifte böse zurück: "Keiner von uns wird Weihnachtsbaum. Na gut! Aber ihr landet zu guter Letzt im Osterfeuer. Und eine Buche knarzte voller Wut: "Wenn ihr geschlagen seid, dann habt ihr auch bald keine Nadeln mehr, weil ihr vertrocknet, aber wir bekommen im Frühjahr neue Blätter, hi, hi, hi!"

Eine Douglastanne plärrte "Dafür seht ihr keine glücklichen Kinderaugen!" 

So verging die Zeit und eines Tages standen die Waldarbeiter in der Schonung.

Ein Raunen ging durch die Baumwipfel. Alle Bäume streckten sofort ihre obersten Äste und jede einzelne Nadel gen Himmel. So wirkten sie größer.

Als die dralle Douglastanne fiel, kam auf einmal eine ganz kleine Weißtanne zum Vorschein, leider verkrüppelt.

Die Waldarbeiter ließen sie stehen. Dabei hatte sich die kleine Tanne so sehr gewünscht, auch geschmückt zu werden. Aber im Schatten der ausladenden Douglastanne bekam sie keine Sonne und kaum Regen ab. Ja, das hatte ihr wahrlich gefehlt und nun genoss sie all das in vollen Zügen.

Das Schlagen der Bäume hatte bald ein Ende und in der Schonung war Ruhe eingetreten und Platz geworden.

Doch schon am nächsten Tag kam der Förster noch einmal zurück, grub die Krüppeltanne samt Wurzelballen aus, packte sie auf seinen Autoanhänger, murmelte: "Zu Schade zum Schreddern" und stieg in seinen Wagen.

Angekommen an seinem Haus, pflanzte er sie in einen Topf und stellte sie in den Wintergarten. Oh, hier war es lange nicht so kalt und windig wie im Wald, einfach herrlich – fand das Bäumchen. Da erblickte es plötzlich durch eine große Scheibe die dralle Edeltanne, unter der es noch vor ein paar Tagen verdeckt gestanden hatte, herrlich bunt geschmückt und mit vielen, vielen Lichter bestückt. Etwas neidisch war die kleine Krüppeltanne nun schon und sie seufzte, das wie ein leises Knarzen durch den Wintergarten ging.

Das Bäumchen beobachtete begierig das Weihnachtsfest und wusste nun alles darüber. Wie gerne hätte es den Laubbäumen erzählen wollen, was es alles gesehen hatte, denn die wussten ja so vieles nicht.

Doch irgendwann war das Weihnachtsfest vorbei. Da bekam die Krüppeltanne eines Tages einen solchen Schock, dass sie beinahe genadelt hätte. Da wurde doch der wunderschöne Schmuck von ihrer ehemaligen Nachbarin abgenommen und oh Schreck, sie hatte ja auch fast keine Nadeln mehr. Nun wurde sie auch noch brutal aus dem Fenster in den Hof geworfen – einfach schrecklich! Letztendlich rief der Förster: "Die kommt mit ins Osterfeuer. Ihr kräftiges Stämmchen wird lange brennen."

"Also doch, die Laubler haben recht. Nach dem Fest und aller Pracht, mit dem eine Tanne oder Kiefer in einen Weihnachtsbaum verwandelt wird, wird man tatsächlich verbrannt – einfach fürchterlich und kaum zu glauben! Oh, welch ein Glück, dass man mich verschont hat!", dachte die kleine Tanne und schüttelte sich, so sehr saß ihr der Schreck in den Ästen. 

Seither ist ein Jahr vergangen und wieder steht Weihnachten vor der Tür. Die kleine Krüppeltanne hat die Zeit über im Vorgarten gestanden. Ein herrlicher Platz mit ausreichend Luft, Sonne, Regen und vor allem einer sehr guten Aussicht. So hat sie sich wunderbar entwickelt und ist zu recht stolz auf sich.

Kurz vor dem Fest sagt die Frau Försterin zu ihrem Mann und zeigt dabei auf die Tanne im Vorgarten: "Dieses Jahr werden wir sie schmücken. Es wird herrlich aussehen."

Die Weißtanne ist erschüttert. Hat sie doch noch das schaurige Ende ihrer ehemaligen Nachbarin vor Augen. "Oh nein! Dann lieber keinen Schmuck und keine Lichter!", jammert sie, aber wer hört sie schon. Sie kann an nichts anderes mehr denken und nachts stellen sich alle Nadeln steil in die Höhe, wenn sie vom Osterfeuer träumt. 

Heilig Abend ist da. Und welch eine Freude! Die Weißtanne wird nicht geschlagen, sie wird im Vorgarten mit goldenen Kugeln geschmückt und vielen, vielen Lichtern bestückt, genau wie im vorigen Jahr ihre ehemalige Nachbarin. Ihre Nadeln verliert sie natürlich nicht, muss aber sicher den schönen Schmuck wieder hergeben. Doch das ist der Weißtanne egal, denn sie weiß nun, dass sie noch viele Male wunderschön geschmückt zum Weihnachtsfest eine Hauptrolle spielen wird. Sie ist einfach nur noch glücklich!

Verfasser unbekannt

Eine Weihnachtsgeschichte ....

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